Das Fazit und weitere Praxis-Erfahrungen:

"SeaSonic is still alive" und das mit brachial beeindruckender Performance, was leider auch auf den Preis für die Prime Serie zutrifft, wenngleich dieser sicherlich als angemessen zu betrachten wäre. Bevor wir nun alles in einem Satz komprimiert skizzieren, wollen wir noch einmal resümieren, was uns in den 14 Tagen Test besonders in Erinnerung geblieben ist. Wobei natürlich auch die Frage im Raum steht: was macht das Gesamtkonzept Seasonic Prime so besonders ?
Fangen wir vorne an: Extreme Stabilität, sehr hohe Leistungsreserven, ein nahezu perfektes Crossload-Verhalten, eine weitere Minimierung der Spannungstoleranzen (Micro Tolerance Load Regulation), die versprochene Steigerung der Effizienz, eine optimierte Hold-Up-Time, die erfolgreiche Überarbeitung der Lüfter-Steuerung und nicht zuletzt die kompromisslose Verwendung von hochwertigen Bauteilen, wobei wir den Lüfter davon ausklammern. Eines müssen wir allerdings noch anmerken, ein Nachweis der Micro Tolerance Load Regulation ist auch mit hochwertigen Messgeräten nicht einfach, wir sind da deutlich an unsere Grenzen gestossen.
Wie dem auch sei, die Features der Prime Serie wurden nicht nur auf dem Beipackzettel abgedruckt, sondern auch in der Praxis bestätigt und das ohne jegliche Taschenspielertricks. Das die Fertigungs-Qualität, eine hohe Störimmunität und auch die Unterdrückung der Restwelligkeit mit diesen hohen Qualitätsansprüchen korrespondieren, versteht sich da fast schon von selbst. Die Ausstattung lässt grundsätzlich kaum Wünsche offen, so dass der Endanwender ein in sich stimmiges Gesamtkonzept daheim einbauen kann, ohne sich für ein Informatik und/oder Elektronik-Studium einzuschreiben. Die seit einiger Zeit verlängerten Garantiekriterien, der deutsche Support und schlussendlich ein Bring-in Service runden das Prime Titanium Paket mehr als zufriedenstellend ab, die Konkurrenz wird es vermutlich mit einem gequälten Lächeln zur Kenntnis nehmen.Wer wie wir die Entwicklung von SeaSonic über die letzten 10 Jahre vom Geheimtipp zum Premium Hersteller verfolgt hat, wird sich einer gewissen Faszination nicht entziehen können, sollte aber auch vor Kritik nicht zurückschrecken. SeaSonic nimmt das alles sehr genau wahr und prüft in der Regel akribisch deren kausalen Nutzen.

Kommen wir noch einmal zur Technik zurück, zumal eben auch Aspekte existieren, die uns nicht gefallen. Die Lüfter-Optionen zwischen Hybrid und Normalmodus dürfte kaum Wünsche offen lassen, dass der Ein-Ausschalter für die Steuerung wieder in der Nähe des Netzteil Ein-Ausschalters platziert wurde, empfinden wir nicht als ideal, da es fatale Folgen haben kann, wenn man daheim hinter dem Rechner nach dem Schalter fingert und dabei den Lüfter-Schalter mit dem Ein/Ausschalter verwechselt. Auf der anderen Seite erspart man sich so das ständige Öffnen des PC-Seitenteils, um an den Schalter zu kommen, es hat also de facto alles seine Vor-und Nachteile.

Einige andere werden noch weniger Geräuschkulisse fordern und/oder mäkeln das dies doch auch leiser geht. Natürlich wäre dies technisch möglich, dazu wäre lediglich eine weitere Reduzierung der Lüfter Drehzahlen notwendig, aber SeaSonic hatte schon immer klare Maximen und die lauten: "lieber etwas lauter ->dafür aber ganz sicher nicht überhitzt", die inzwischen 10-jährige Garantie soll ja nicht zum finanziellen Fiasko ausarten. Auf der anderen Seite dürften in diesen Lastbereichen die Gehäuselüfter, entsprechende Grafikkarten und CPU-Kühler das Lüfter-Geräusch des Plrime Netzteils eindeutig übertönen, darum sehen wir dieses Manko nicht als problematisch an und in einem 90 Watt Stromspar-HTPC hätte dieses Netzteil ohnehin nichts zu suchen. Erfreulich ist die weitere Reduzierung der elektronischen Geräusche wie Surren oder Fiepen, was in früheren Serien von empfindlichen Kunden durchaus bemängelt wurde. Unsere beiden Netzteile haben sich diesbzüglich in Schweigen gehüllt und nichts dergleichen verlauten lassen.

Kritik:
Es existieren durchaus einige Punkte die uns nicht behagen, da wäre beispielsweise der schon weiter oben erwähnte Schalter für die Lüfter-Steuerung und das Thema Lüfter an sich. Der Wechsel zu Hong Hua mag für die Material-Einkäufer von SeaSonic kausal und schlüssig sein, wir stellen uns allerdings abseits dieser Break-Even Mechanismen die Frage: was hat der Kunde davon ? Grundsätzlich laufen Kugellager etwas lauter als Gleitlager, wobei man dies nicht pauschalisieren sollte, es existieren durchaus hochwertige kugelgelagerte Lüfter, die vom Laufgeräusch her mit hochwertigen Gleitlagern konkurrieren können. Das ist aber nicht unser Ansatz, Kugellager haben den Vorteil der längeren Lebensdauer bei nicht sofortigem verschleißbedingten Ausfall, denn ein Gleitlager stellt seinen Betrieb bei finalem Verschleiß einfach ad hoc ein, ein Kugellager läuft weiter, wenn auch von lauten Klappergeräuschen begleitet. OK, SeaSonic bietet für das Prime Titanium Netzteil eine 10-jährige Garantie, das schafft Vertrauen, aber bewältigen die neuen Lüfter diesen Zeitraum überhaupt ? Diese Frage bleibt unbeantwortet, egal ob wir nun zwei oder zwanzig Prime Netzteile testen. Ein weiterer Fakt bleibt: Wir haben in all den Jahren, die wir jetzt SeaSonic Netzteile testen, keinen einzigen Lüfter-Ausfall erlebt, wenn Sanyo Denki Lüfter verbaut waren und einige dieser Netzteile laufen in unseren Rechnern nach vielen Jahren auch heute noch.

Kommen wir zu Otto-Normalverbrauchers Lieblings Frage: lohnt sich der Kauf ? wer noch keines dieser vorzüglichen Netzteile verwendet und ein entsprechend leistungsstarkes System mit mindestens zwei Grafikkarten und/oder der Ambition des Übertaktens zugeneigt ist, für denjenigen lohnt es sich auf jeden Fall. Wer bereits ein ähnlich leistungsstarkes SeaSonic Netzteil beispielsweise aus der vorherigen Platinum Serie gekauft hatte, kann diese Investition von immerhin 215 € von seiner Einkaufsliste getrost streichen, das wäre nun ernsthaft zu viel des Guten, auch wenn sich SeaSonic selbstverständlich darüber freuen würde. Darüber hinaus hat SeaSonic sein neues Portfolio weit gefächert, es beginnt bereits bei einem Prime Gold 650 Watt für knappe 130 €. Wem das alles zu teuer ist, muß sich noch etwas gedulden und auf die kommende SeaSonic Focus Serie warten. Leistungsabstufungen dieser Focus-Serien sind von 450 bis 850 Watt vorgesehen und sollten als Einstieg deutlich unter 100 € lanciert werden können.

Nachtrag vom 3. März 2017: SeaSonic hat die Garantiedauer seiner Prime Netzteile auf 12 Jahre verlängert, ein weiterer Alleinstellungs-Aspekt.
Leider gilt diese Garantie aber nur für den Erstbesitzer, das dämpft die Euphorie dann schon erheblich.
 
Last Words and off the Record: In der heutigen Zeit, wo einem jeden Tag der postfaktische Wahnwitz im Netz entgegen schwappt, das fast schon übliche Click-Baiting, Advertorials oder anderer Fake Content, ist es um so wohltuender, wenn trotzdem noch Konstanten existieren. SeaSonic ist so eine Konstante, sie bauen seit Jahren extraordinäre Netzteile, verschonen uns Tester mit speziell präparierten golden Samples und sind offen für konstruktive Kritik, das hinterläßt ein richtig gutes Gefühl...bitte mehr davon...

Zur besseren Übersicht noch einmal die wichtigsten Eckdaten unseres Tests in einer kurzen Zusammenfassung:

Plus:
• hervorragende Verarbeitung, wertige Haptik
• extrem robuste Lackierung
• Verpackung bietet durchdachten Schutz
• ausgezeichnete Effizienz in allen Lastbereichen
• sehr niedrige Spannungstoleranzwerte
• extrem hohe Spannungsstabilität
• hervorragende Stabilität während unserer Crossload-Tests
• hervorragende Ripple and Noise Werte
• korrekt ansprechende umfangreiche Schutzschaltungen
• sehr gute active PFC-Werte
• kaum Störgeräusche durch die Netzteilelektronik
• gute Eigenkühlung, variable Lüftereinstellungen
• recht ausgewogener Lüfter mit FDB-Lager
• gutes Kabelmanagement, stabile Port-Kabel-Mechanik (vollmodular)
• vorbildliche Beschriftung, keine überstehenden Kabel-Ports
• sehr effektive Kabelabschirmungen, vergoldete Kontakte und Isolierungen ab Werk
• größtenteils ausreichend lange Kabelstränge
• SLI/QUAD-SLI/Crossfire/Crossfire-X tauglich
• sehr gute Ausstattung
• überragende Lötqualität
• durchweg hochwertige Bauteile
• keine elektronischen Störgeräusche oder Spulen-Fiepen
• verbessertes Handbuch, deutschsprachiger Support
• sehr lange Garantiezeit (12 Jahre eingeschränkt, Bring-in-Service)

Minus:
• minimale Schleifgeräusche des Lüfters
• sehr teuer (ca. 215 €)



Gesamtergebnisse unseres Reviews:


Das SeaSonic Prime Titanium 750 Watt Netzteil erhält den PC-Experience Technology Award in Gold


die PC-Experience Award






Weiterführende Links:


SeaSonic

SeaSonic Händlernachweis


Wir bedanken uns bei SeaSonic sehr herzlich für die Bereitstellung der Testexemplare



euer PC-Experience.de Team

Cerberus